Ein Happy End, Tierkommunikation und ein Thema, dem ich lange ausgewichen bin
Am Samstagmorgen, kurz vor neun, erhielt ich eine Nachricht von einer Nachbarin.
Sie fragte mich, ob ich ihren Kater gesehen hätte.
Er war am Vortag morgens zuletzt zu Hause gewesen und weder im Laufe des Tages noch am Abend zurückgekehrt. Das war für ihn vollkommen untypisch.
Ich musste ihre Frage zunächst verneinen.
Einige Stunden später begegnete ich meiner Nachbarin, als sie bereits in der Umgebung nach ihm suchte. Wir unterhielten uns darüber, was in den Tagen zuvor geschehen war und ob es vielleicht einen Hinweis darauf geben könnte, warum er nicht nach Hause gekommen war.
Sie erzählte mir, dass der Kater einige Tage zuvor mit einer Ratte nach Hause gekommen war. Da er sie vermutlich leicht hatte fangen können, stand die Sorge im Raum, dass die Ratte möglicherweise geschwächt oder vergiftet gewesen sein könnte.
Natürlich ließ sich aus der Situation heraus nicht beurteilen, ob dies überhaupt eine Rolle spielte.
Wir sprachen darüber, dass Vergiftungen je nach Substanz und aufgenommener Menge unterschiedlich verlaufen können. Gleichzeitig erschien es uns nicht als die naheliegendste Erklärung dafür, dass der Kater erst mehrere Tage später plötzlich nicht mehr nach Hause kam.
Ich hoffte, ihr zumindest einen Teil dieser Sorge nehmen zu können.
Vermisste Tiere sind eine Ausnahmesituation
Die Suche nach vermissten Tieren ist ein Thema, dem ich bisher eher ausgewichen bin.
Nicht, weil Tierkommunikation dabei keine Rolle spielen kann.
Im Gegenteil: Ich habe in mehreren Ausbildungen gelernt, wie man mit einem vermissten Tier Kontakt aufnehmen, gezielt Informationen erfragen und mögliche Hinweise zur Umgebung erhalten kann.
Doch die Situation ist emotional besonders anspruchsvoll.
Für den Tierhalter ist das Verschwinden des geliebten Tieres eine Ausnahmesituation. Gedanken kreisen, Sorgen wachsen und jedes Geräusch kann plötzlich Hoffnung oder Angst auslösen.
Auch für das Tier kann es viele unterschiedliche Gründe geben, nicht nach Hause zu kommen.
Ein Tier kann verletzt oder krank sein.
Es kann versehentlich in einer Garage, einem Keller, einem Schuppen oder einem Gartenhaus eingeschlossen worden sein.
Es kann sich erschreckt und versteckt haben.
Es kann durch ein Geräusch, ein fremdes Tier oder eine ungewohnte Situation weit aus seinem vertrauten Gebiet geraten sein.
Und manchmal entscheidet sich eine Katze auch für einen anderen Ort, an dem es gerade besonders angenehm ist.
Das habe ich selbst in meiner Jugend erlebt. Unsere Katze hatte zeitweise eine weitere Anlaufstelle bei einer älteren Dame gefunden, die sie offenbar mit sehr überzeugenden Delikatessen versorgte.
Eine vermisste Katze ist also nicht automatisch in Gefahr.
Dennoch sollte die praktische Suche immer schnell und gründlich beginnen.
Praktische Suche und Tierkommunikation gehören zusammen
Ich bot meiner Nachbarin an, mir ein Foto des Katers zu schicken, sollte er bis zum nächsten Tag nicht wieder zu Hause sein.
Ich wollte das Bild in unsere Tierkommunikationsgruppe geben. Dort sind einige Menschen, die bereits gelernt haben, Kontakt mit Tieren aufzunehmen und ihre Wahrnehmungen sorgfältig zu überprüfen.
Alternativ hätten wir den Fall in unserer Übungsgruppe gemeinsam aufgreifen können.
Mir war dabei wichtig, dass Tierkommunikation die praktische Suche nicht ersetzt.
Ich schickte ihr deshalb auch Informationen von TASSO und FINDEFIX. Dort finden Tierhalter konkrete Hinweise dazu, wie ein vermisstes Tier gemeldet und welche Suchmaßnahmen eingeleitet werden können.
Dazu gehören beispielsweise:
- Nachbarn zu informieren,
- Garagen, Keller, Gartenhäuser und Schuppen kontrollieren zu lassen,
- Tierärzte, Tierheime und Fundstellen zu benachrichtigen,
- das Tier als vermisst zu melden,
- die nähere Umgebung wiederholt und zu ruhigen Zeiten abzusuchen,
- und möglichst viele Menschen aufmerksam zu machen.
Tierkommunikation kann zusätzliche Impulse geben.
Sie sollte aber immer mit einer aktiven, realen Suche verbunden werden.
Welche Informationen können hilfreich sein?
Auf dem Rückweg vom Stall erhielt ich um 17.21 Uhr eine Nachricht mit mehreren Fotos des Katers.
Meine Nachbarin fragte, welche Angaben ich außerdem benötigen würde.
Ich antwortete, dass ein Bild hilfreich wäre, auf dem das Gesicht und möglichst ein Auge gut zu sehen seien.
Für eine Tierkommunikation sind außerdem die Vorgeschichte, der letzte sichere Aufenthaltsort und mögliche Veränderungen in der Umgebung wichtig.
Auch ungewöhnliche Ereignisse der Tage zuvor können relevant sein.
Nicht, weil jede Einzelheit zwangsläufig die Ursache enthält, sondern weil sich daraus sinnvolle Themen für die Kontaktaufnahme mit dem Tier ergeben können.
Die genaue Vorgehensweise, die Fragen und die Auswertung solcher Wahrnehmungen gehören für mich allerdings in einen geschützten Ausbildungsrahmen.
Denn gerade bei vermissten Tieren reicht es nicht, beliebige Fragen zu stellen und jedes innere Bild sofort als Tatsache zu betrachten.
Es braucht Erfahrung, Neutralität und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Hoffnungen und Ängsten der Tierhalter.
Die innere Verbindung nach Hause
Um 17.26 Uhr schickte ich meiner Nachbarin eine etwa eineinhalbminütige Sprachnachricht.
Ich erklärte ihr, welche Informationen sie mir am besten zusammenstellen könnte, damit ich die Geschichte anschließend nur noch in unsere Gruppe weitergeben müsste.
Am Ende gab ich ihr noch einen Impuls.
Ich bat sie, sich möglichst lebendig vorzustellen, wie ihr Kater wieder nach Hause kommt.
Nicht die Angst.
Nicht die Vorstellung, was ihm passiert sein könnte.
Sondern den Weg zurück.
Wie er über die Wiese läuft.
Wie er zur Terrasse kommt.
Wie er durch die Tür geht.
Wie er wieder da ist.
Eine solche innere Vorstellung kann dem Menschen helfen, sich aus der Angst für einen Moment wieder mit der Verbindung zum Tier und mit der Möglichkeit einer sicheren Rückkehr auszurichten.
Gleichzeitig verband auch ich mich mit dem Kater.
Da ich ihn kenne, benötigte ich kein Foto.
Ich nahm innerlich Kontakt zu ihm auf und bat ihn, wieder nach Hause zu kommen.
Ich stellte mir ebenfalls vor, wie er den Weg zurückfindet und wieder bei seiner Familie ankommt.
Und dann kam die Nachricht
Um 17.26 Uhr schickte ich meiner Nachbarin eine etwa eineinhalbminütige Sprachnachricht.
Darin bat ich sie unter anderem, sich möglichst lebendig vorzustellen, wie ihr Kater wieder nach Hause kommt.
Während sie die Nachricht anhörte, verband auch ich mich mit dem Kater und bat ihn innerlich, nach Hause zurückzukehren.
Um 17.32 Uhr kam ihre Nachricht:
Der Kater ist wieder im Wohnzimmer.
Zwischen meiner Sprachnachricht und seiner Rückkehr lagen also nur wenige Minuten.
Gerade dieser synchrone zeitliche Zusammenhang war für uns beide besonders eindrucksvoll.
Natürlich ist er kein Beweis dafür, dass die Tierkommunikation oder unsere innere Ausrichtung seine Rückkehr verursacht hat.
Aber er ist ein bemerkenswertes Indiz.
Vielleicht war der Kater ohnehin bereits auf dem Weg.
Vielleicht hat er unsere Bilder, unsere Einladung oder die klare Ausrichtung seiner Halterin wahrgenommen.
Vielleicht kamen mehrere Dinge gleichzeitig zusammen.
Ich weiß es nicht.
Doch genau in diesem schmalen Raum zwischen Zufall, Verbindung und möglicher Wirkung geschah etwas, das uns beide tief berührt hat.
War es die Tierkommunikation?
Ich kann nicht beweisen, wodurch der Kater in genau diesem Moment nach Hause gekommen ist.
Vielleicht war er ohnehin bereits auf dem Weg.
Vielleicht hatte er sich irgendwo aufgehalten und wäre auch ohne unsere Verbindung in diesem Moment zurückgekehrt.
Vielleicht hat die klare innere Ausrichtung seiner Halterin etwas verändert.
Vielleicht hat er ihren Ruf, ihre Bilder oder unsere Bitte wahrgenommen.
Ich weiß es nicht.
Und genau deshalb finde ich es wichtig, solche Erlebnisse weder kleinzureden noch vorschnell zu einem sicheren Wirkmechanismus zu erklären.
Was ich sagen kann, ist:
Der zeitliche Zusammenhang war beeindruckend.
Wir beide hatten uns in diesem Moment sehr klar auf seine sichere Rückkehr ausgerichtet.
Und kurz darauf war er wieder da.
Für mich war dies eine berührende Erinnerung daran, dass Tierkommunikation nicht nur darin bestehen kann, Informationen von einem Tier zu erhalten.
Sie kann auch bedeuten, bewusst Kontakt aufzunehmen.
Eine Einladung auszusprechen.
Ein vertrautes inneres Bild zu senden.
Und dem Tier zu vermitteln:
Du wirst gesucht. Du wirst geliebt. Du darfst nach Hause kommen.
Warum der Tierhalter aktiv einbezogen werden sollte
Gerade bei vermissten Tieren halte ich es für besonders wichtig, den Tierhalter nicht zu einem passiven Empfänger von Aussagen zu machen.
Der Halter kennt das Tier, seine Gewohnheiten, seine Umgebung und die Orte, an denen es sich aufhalten könnte.
Er kann suchen.
Er kann Nachbarn ansprechen.
Er kann Türen, Schuppen und Keller kontrollieren lassen.
Er kann Meldestellen informieren.
Und er kann selbst innerlich mit seinem Tier in Verbindung bleiben.
Tierkommunikation darf den Menschen stärken.
Sie darf ihm helfen, aus der völligen Hilflosigkeit wieder ins Handeln zu kommen.
Dabei ist eine positive Kommunikation für mich besonders wichtig.
Statt dem Tier fortwährend Bilder von Angst, Gefahr und Verzweiflung zu senden, können wir uns auf Verbindung, Orientierung und eine sichere Rückkehr ausrichten.
Welche Fragen dabei sinnvoll sind, wie Wahrnehmungen überprüft werden und wie man zwischen einem eigenen Bild und einer möglichen Information des Tieres unterscheidet, ist Teil einer fundierten Tierkommunikationsausbildung.
Denn Wahrnehmungen sind zunächst Hinweise.
Sie sind keine garantierten Ortsangaben und sollten niemals unkritisch als Tatsachen weitergegeben werden.
Warum ich gern in einer Gruppe arbeite
Bei vermissten Tieren arbeite ich persönlich besonders gern mit mehreren Menschen.
Nicht, weil eine einzelne erfahrene Tierkommunikatorin keine wertvollen Informationen erhalten kann.
Doch auch sehr geübte Menschen können eigene Bilder, Hoffnungen, Ängste oder Interpretationen einfließen lassen.
Wenn mehrere Personen unabhängig voneinander ähnliche Wahrnehmungen erhalten, kann sich daraus eine andere Qualität ergeben.
Wiederkehrende Übereinstimmungen können Hinweise verdichten und dem Tierhalter eine mögliche Richtung für die weitere Suche geben.
Auch dabei bleibt wichtig:
Eine Übereinstimmung ist noch kein Beweis.
Sie darf Orientierung geben, sollte aber immer mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort abgeglichen werden.
Neben der telepathischen Kommunikation können weitere Methoden ergänzend einbezogen werden. Welche davon sinnvoll sind und wie sie verantwortungsvoll angewendet werden, gehört ebenfalls in einen begleiteten Lern- und Ausbildungsrahmen.
Gerade in einer emotionalen Ausnahmesituation ist nicht nur die Methode entscheidend.
Ebenso wichtig sind Klarheit, Bodenhaftung und ein achtsamer Umgang mit dem Menschen, der auf eine Nachricht von seinem Tier wartet.
Ein Thema, dem ich mich nun stellen darf
Dieser glückliche Ausgang hat mir noch etwas gezeigt.
Ich habe das Thema „vermisste Tiere“ bisher nicht ganz vorne auf meine Fahne geschrieben.
Die emotionale Verantwortung ist groß.
Nicht jeder Fall endet so schnell und glücklich.
Nicht jede Wahrnehmung ist eindeutig.
Und niemand sollte einem verzweifelten Tierhalter Versprechungen machen, die nicht gehalten werden können.
Gleichzeitig wurde mir durch diesen Kater bewusst, dass ich mich dem Thema nicht grundsätzlich entziehen sollte.
Ich muss es nicht aktiv suchen.
Aber wenn es an mich herangetragen wird, darf ich prüfen, ob es in diesem Moment meine Aufgabe ist.
Dann kann ich vielleicht ein Beitrag sein.
Für das Tier.
Für den Menschen.
Für die Suche.
Und manchmal vielleicht auch für den Weg nach Hause.
Dieser Fall wird deshalb auch in meine Ausbildung zur Tierkommunikation einfließen.
Das Thema vermisste Tiere bekommt dort künftig seinen eigenen Platz – verantwortungsvoll, praktisch, bodenständig und zugleich offen für die Möglichkeiten der telepathischen Verbindung.
Denn an diesem Samstag kam ein Kater nach Hause.
Und mit ihm kam auch ein Thema zu mir zurück, dem ich nun nicht länger ausweichen möchte.
Mit Liebe
Anke

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