Warum dieses Pferdetagebuch eigentlich schon vor über zehn Jahren begonnen hat

FeenTiers Pferdetagebuch

Manchmal glauben wir, eine Idee entsteht plötzlich.

Bei diesem Buch war das anders.

Wenn ich ehrlich bin, begann es nicht vor neun Jahren.

Und auch nicht vor zehn.

Es begann viel früher.

Schon als junge Rechtsanwältin führte ich meine Kalender von Hand. Damals gab es noch keine Smartphones. Keine digitalen Erinnerungen.

Nur Jahresplaner.

Termine.

Notizen.

Kleine Bemerkungen am Rand.

Ich konnte Monate später zurückblättern und plötzlich erkennen:

„Ach ja… damals fing das an.“

Damals wusste ich noch gar nicht, dass ich bereits etwas lernte, das mich mein ganzes Leben begleiten würde.

Nicht das Schreiben.

Sondern das Beobachten.


Später kamen meine therapeutischen Ausbildungen hinzu.

Mit jedem Tier, das ich begleiten durfte, entstanden neue Notizen. Keine Diagnosen – die erstelle ich sowieso nicht -das macht der Tierarzt, dafür ist er da.

Nicht nur Behandlungsschritte. Sondern Beobachtungen.

Kleine Veränderungen. Besondere Momente. Fragen.

Ideen. Zusammenhänge.

Ich begann, immer mehr zu dokumentieren.

Nicht, weil ich musste.

Sondern weil ich verstehen wollte.


2024 entstand schließlich mein erstes Achtsamkeitstagebuch.

Damals befand ich mich selbst in sehr einer intensiven Zeit des Lernens. Zwei Jahre lang durfte ich u.a. in einem Coaching erleben, wie sehr unsere Gedanken, unsere Aufmerksamkeit und unsere Haltung unser Leben prägen.

Dort entstand die Idee, sich selbst jeden Tag bewusst wahrzunehmen.

Nicht nur die großen Erfolge. Sondern auch die kleinen Schritte.

Die Dankbarkeit.

Den eigenen Körper.

Die Frage:

„Was möchte ich heute eigentlich?“

Rückblickend war dieses Buch der erste Baustein.


Kurz darauf entstand ein Tagebuch für Hunde.

Eigentlich für Frieda und Usko.

Denn auch hier merkte ich:

Es sind nicht die großen Ereignisse, die später wichtig werden.

Es sind die kleinen.

Der Tag, an dem plötzlich etwas anders war.

Die neue Futtersorte. Der besondere Spaziergang.

Die Erdnüsse, die später auf sehr kreative Weise wieder auftauchten.

Heute muss ich darüber schmunzeln.

Damals war es einfach eine Beobachtung.


Und mir war klar:

Ich wünsche ich mir genau so ein Buch für Pferde.

Nicht nur für Krankheiten.

Nicht nur für Therapien.

Sondern für das ganze Leben mit ihnen.


In diesem Jahr begann ich außerdem meine Ausbildung in der Aurachirurgie für Tiere.

Dort begegnete mir ein Begriff, den ich längst lebte, ohne seinen Namen zu kennen.

Phänomenologie.

Das bedeutet für mich:

Zunächst einfach wahrnehmen.

Beschreiben.

Offen bleiben.

Nicht sofort erklären.

Nicht sofort urteilen.

Nicht sofort eine Ursache suchen.

Denn unser Verstand liebt schnelle Antworten.

Das Leben ist oft viel feiner.


Heute weiß ich:

Das ist genau das die Grundlage dieses Pferdetagebuchs.

Es dokumentiert nicht nur das Pferd.

Es lädt auch den Menschen ein, sich selbst wahrzunehmen.

Denn oft verändern sich beide gleichzeitig.

Und manchmal erkennen wir den eigentlichen Zusammenhang erst Wochen oder Monate später.


Dieses Tagebuch stellt deshalb keine Diagnose- es urteilt nicht.

Es möchte Fragen ermöglichen.

Es möchte den Blick weiten.

Es möchte helfen, Muster zu erkennen.

Und vielleicht erinnert es uns immer wieder an etwas, das mir persönlich sehr wichtig geworden ist:

Beobachten statt bewerten.


Heute halte ich dieses Buch in den Händen.

Die erste Seite gehört Parsival.

Ohne ihn gäbe es dieses Buch wahrscheinlich nicht.

Und vielleicht begann diese Geschichte tatsächlich schon vor vielen Jahren.

Mit einem einfachen Kalender.

Ein paar handschriftlichen Notizen.

Und einer großen Neugier darauf, das Leben wirklich verstehen zu wollen.


Bücher verändern selten die Welt.

Aber sie verändern manchmal den Blick eines einzelnen Menschen.

Und das genügt oft, damit sich für ein Pferd die Welt verändert.

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