Pferde-Tagebuch: Wie hätte ich es denn gerne morgen?

Warum diese kleine Frage deine Gedanken, deine Ausrichtung und die Begegnung mit deinem Pferd verändern kann

Kennst du solche Tage im Stall?

Du kommst zu deinem Pferd und stellst fest, dass etwas nicht so gelaufen ist, wie du es dir gewünscht hast. Vielleicht wurde anders gefüttert als besprochen. Das Heu liegt an einer ungünstigen Stelle. Die vereinbarte Versorgung wurde nicht vollständig umgesetzt. Die Weidezeit war anders geplant oder eine wichtige Information ist nicht bei dir angekommen.

Schon ist er da, dieser Ärger.

Du gehst im Kopf immer wieder durch, was nicht funktioniert hat. Du erzählst einer Stallkollegin davon, später vielleicht noch einer zweiten. Auf der Heimfahrt führst du das Gespräch mit dem Stallbetreiber in Gedanken bereits zum dritten Mal – und findest mit jeder Runde noch einen weiteren Punkt, der ebenfalls nicht gut gelaufen ist.

Wir Menschen können darin ausgesprochen ausdauernd sein.

Wir wissen oft sehr genau, was wir nicht möchten.

So soll mein Pferd nicht versorgt werden.
So möchte ich nicht behandelt werden.
Das darf nicht schon wieder passieren.
Warum denkt denn niemand mit?
Warum muss ich mich um alles selbst kümmern?

Der Ärger kann dabei vollkommen berechtigt sein. Schließlich tragen wir Verantwortung für unsere Pferde. Wenn Absprachen nicht eingehalten werden oder die Versorgung nicht stimmt, dürfen und müssen wir hinschauen.

Doch irgendwann stellt sich eine andere Frage:

Hilft mir die Wiederholung dessen, was falsch gelaufen ist, bereits dabei, etwas zu verändern?

„Wie hätte ich es denn gerne morgen?“

Diese Frage steht nicht zufällig in FeenTiers Pferde-Tagebuch „Zwischen Herzschlag & Hufschlag“:

Wie hätte ich es denn gerne morgen?

Sie wirkt zunächst beinahe zu einfach.

Doch sie verändert die Richtung unserer Aufmerksamkeit.

Plötzlich beschäftigen wir uns nicht mehr ausschließlich damit, was heute schlecht war. Wir beginnen zu formulieren, was wir uns stattdessen wünschen:

Ich möchte, dass mein Pferd morgen ausreichend und zur vereinbarten Zeit versorgt wird.

Ich möchte, dass wichtige Informationen zuverlässig weitergegeben werden.

Ich wünsche mir einen respektvollen und lösungsorientierten Austausch.

Ich möchte mein Pferd entspannt besuchen können, ohne bereits mit innerem Alarm in den Stall zu fahren.

Ich möchte mich sicher, ernst genommen und handlungsfähig fühlen.

Das bedeutet nicht, dass dadurch augenblicklich alles perfekt wird. Und es bedeutet auch nicht, dass wir uns die Welt einfach schön denken können.

Aber wir geben unserem Denken eine neue Richtung.

Aus „Das will ich nicht mehr“ wird:

„So hätte ich es gerne.“

Und aus diesem Satz kann ein nächster Schritt entstehen.

Positives Denken bedeutet nicht, alles positiv finden zu müssen

Positives Denken wird manchmal missverstanden.

Es bedeutet nicht, eine mangelhafte Versorgung schönzureden. Es bedeutet nicht, berechtigten Ärger hinunterzuschlucken. Es bedeutet auch nicht, unangenehme Gefühle mit einem Lächeln zu überdecken und so zu tun, als wäre alles wunderbar.

Manches ist nicht wunderbar.

Manches braucht ein deutliches Gespräch.
Manches braucht eine konkrete Veränderung.
Manches braucht eine klare Grenze.
Und manchmal braucht es tatsächlich eine andere Lösung oder sogar einen anderen Stall.

Die Frage „Wie hätte ich es denn gerne morgen?“ soll die Realität nicht verdrängen. Sie lädt uns vielmehr ein, nach der Wahrnehmung des Problems nicht im Problem stecken zu bleiben.

Wir dürfen beides sehen:

Was ist tatsächlich geschehen?
Und:
Was soll stattdessen entstehen?

Das ähnelt einem psychologischen Prinzip, das als mentales Kontrastieren untersucht wird: Menschen stellen sich eine gewünschte Zukunft vor und betrachten zugleich die Hindernisse der gegenwärtigen Realität. Besonders hilfreich kann es werden, wenn daraus ein konkreter Handlungsplan entsteht – statt bei einer schönen Vorstellung stehen zu bleiben.

Der Wunsch allein ist also kein Zauberspruch.

Doch er kann zum inneren Kompass werden.

Der Dienstleister kann unsere Gedanken nicht lesen

Gerade in einem Pensionsstall treffen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander.

Was für uns selbstverständlich erscheint, ist für einen anderen Menschen vielleicht keineswegs selbstverständlich. Der Stallbetreiber betreut viele Pferde, arbeitet unter Zeitdruck und setzt möglicherweise andere Prioritäten. Das entschuldigt keine schlechte Versorgung und hebt getroffene Vereinbarungen nicht auf.

Aber es erinnert uns an etwas Wichtiges:

Ein anderer Mensch kann unsere Gedanken nicht lesen.

Manchmal erwarten wir, dass unser Gegenüber von selbst erkennen müsste, was wir brauchen. Wir hoffen, dass jemand „mitdenkt“ – und meinen damit häufig: genauso denkt wie wir.

Doch unser Wunsch wird für den anderen erst greifbar, wenn wir ihn aussprechen.

Nicht nur:

„So geht das nicht.“

Sondern möglichst konkret:

„Mir ist wichtig, dass mein Pferd morgens bis spätestens neun Uhr Heu erhält. Wie können wir sicherstellen, dass das zuverlässig geschieht?“

Oder:

„Ich mache mir Sorgen, weil die Absprache in dieser Woche mehrfach nicht umgesetzt wurde. Ich wünsche mir eine Lösung, auf die wir uns beide verlassen können.“

Damit wird aus einem allgemeinen Vorwurf eine verständliche Bitte oder Forderung.

Wir können prüfen:

  • Was genau ist geschehen?
  • Welche Vereinbarung gab es?
  • Was braucht mein Pferd?
  • Was wünsche ich mir konkret?
  • Was kann der Stallbetreiber realistisch leisten?
  • Was kann ich selbst beitragen?
  • Wo liegt die Verantwortung eindeutig beim Dienstleister?
  • Und an welcher Stelle brauche ich eine klare Grenze?

Verständnis bedeutet nicht, alles hinzunehmen. Verständnis kann uns jedoch helfen, klarer zu erkennen, was auf beiden Seiten geschieht – und dadurch wirksamer zu handeln.

„Der Spott endet, wo das Verständnis beginnt.“

Vor Kurzem stand auf meinem Teebeutel der Satz:

„Der Spott endet, wo das Verständnis beginnt.“

Er hat mich berührt.

Denn wie schnell machen wir uns über Menschen lustig, die anders handeln, anders denken oder andere Entscheidungen treffen als wir? Wie schnell bewerten wir jemanden, wenn wir nur einen kleinen Ausschnitt seiner Situation kennen?

Vielleicht gilt das auch im Stall.

Vielleicht kennen wir nicht jede Belastung, jeden Arbeitsablauf und jeden Hintergrund unseres Gegenübers. Vielleicht hat der andere tatsächlich etwas übersehen. Vielleicht bestehen unterschiedliche Erwartungen. Vielleicht ist die Situation aber auch eindeutig und eine Grenze wurde überschritten.

Verständnis heißt nicht automatisch Zustimmung.

Es bedeutet zunächst, genauer hinzusehen.

Was ist hier wirklich los?
Was gehört zu mir?
Was gehört zum anderen?
Welche Information fehlt?
Was wurde nie deutlich ausgesprochen?
Was ist verhandelbar – und was nicht?

Wo Verständnis beginnt, muss Klarheit nicht enden.

Im Gegenteil: Echtes Verstehen kann uns helfen, weniger pauschal zu verurteilen und gleichzeitig genauer für das einzustehen, was unser Pferd und wir benötigen.

Auch Pferde erleben unsere innere Ausrichtung

Pferde reagieren sehr fein auf Körpersprache, Spannung, Bewegungsmuster und Aufmerksamkeit. Wenn wir bereits aufgebracht zum Stall fahren, laufen wir möglicherweise schneller, atmen flacher, sprechen schärfer oder betreten die Begegnung mit einer festen Erwartung.

Vielleicht denken wir schon:

„Heute wird es bestimmt wieder schwierig.“

Dann suchen wir – häufig ohne es zu bemerken – besonders aufmerksam nach allem, was diese Erwartung bestätigt.

Auch deshalb kann die Frage nach dem gewünschten Morgen hilfreich sein:

Wie möchte ich meinem Pferd morgen begegnen?

Ruhig?
Offen?
Aufmerksam?
Klar?
Neugierig?
Ohne den heutigen Tag gedanklich vorwegzunehmen?

Wir können uns vorstellen, wie wir den Stall betreten, erst einmal durchatmen und unser Pferd anschauen. Nicht um Schwierigkeiten zu leugnen, sondern um dem neuen Tag tatsächlich die Möglichkeit zu geben, neu zu sein.

Die Vorstellung vom perfekten morgigen Tag

Erlaube dir einmal, deinen morgigen Tag mit deinem Pferd so schön wie möglich vorzustellen.

Nicht unbedingt spektakulär. Nicht unrealistisch. Einfach stimmig.

Wann kommst du im Stall an?

Wie fühlt sich die Luft an?

Wie möchtest du begrüßt werden?

Wie sieht dein Pferd aus, wenn es dich bemerkt?

Wie möchtest du dich in deinem Körper fühlen?

Was soll bei der Versorgung zuverlässig funktionieren?

Wie möchtest du mit den Menschen im Stall sprechen?

Was möchtest du mit deinem Pferd erleben?

Vielleicht ist dein perfekter Tag kein erfolgreicher Trainingstag. Vielleicht besteht er aus Ruhe, einem Spaziergang, gemeinsamem Grasen oder einem Moment, in dem du dein Pferd einfach nur beobachtest.

Vielleicht ist das Entscheidende, dass du abends nicht denkst:

„Was war heute wieder alles falsch?“

Sondern:

„Was war heute gut – und was wünsche ich mir für morgen?“

Vom Wunsch zur eigenen Handlung

Ein Wunsch darf zunächst einfach da sein.

Wir müssen nicht sofort wissen, wie alles gelöst werden soll. Schon die bewusste Formulierung kann uns zeigen, wohin wir möchten.

Doch anschließend dürfen wir einen kleinen Schritt ergänzen:

Was kann ich morgen selbst dazu beitragen?

Wenn du dir mehr Ruhe wünschst, kannst du vielleicht fünf Minuten früher losfahren.

Wenn du Klarheit brauchst, kannst du ein konkretes Gespräch vorbereiten.

Wenn eine Absprache fehlt, kannst du sie schriftlich festhalten.

Wenn du dich häufig in Ärger hineinsteigerst, kannst du deine Beobachtung zunächst aufschreiben und von deiner Bewertung trennen.

Wenn du dir eine schönere Begegnung mit deinem Pferd wünschst, kannst du dir vornehmen, es zuerst eine Minute lang wahrzunehmen, bevor du etwas von ihm verlangst.

Damit wird aus einem Wunsch eine Ausrichtung – und aus der Ausrichtung möglicherweise eine Handlung.

Und wenn sich bestimmte Muster immer wieder zeigen?

Manchmal erleben wir, dass bestimmte Situationen erstaunlich starke Gefühle in uns auslösen. Vielleicht geraten wir immer wieder in ähnliche Konflikte. Vielleicht fühlen wir uns schnell übergangen, alleinverantwortlich, machtlos oder nicht ernst genommen.

Dann kann es sich lohnen, nicht nur auf die äußere Situation zu schauen, sondern auch neugierig nach innen:

Warum berührt mich genau das so stark?
Was erinnert mich daran?
Welche Reaktion wiederholt sich?
Was würde mir helfen, wieder klarer und freier handeln zu können?

Ich persönlich habe mit der Bioresonanz in solchen Zusammenhängen sehr schöne und für mich beeindruckende Erfahrungen gemacht. Ich nutze sie begleitend, um auf belastende Emotionen, wiederkehrende Verhaltensmuster und mögliche innere Belastungen zu schauen und Harmonisierungsprozesse zu unterstützen.

Das ist meine persönliche Erfahrung und kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis. Bioresonanz ersetzt weder eine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung noch eine tierärztliche Untersuchung. Sie kann für Menschen, die sich davon angesprochen fühlen, eine ergänzende Möglichkeit innerhalb einer ganzheitlichen Begleitung sein.

Eine kleine Abendübung

Nimm dir heute Abend einige ruhige Minuten. Du kannst die Antworten aufschreiben oder zunächst nur auf dich wirken lassen.

1. Was war heute?

Beschreibe möglichst sachlich, was tatsächlich geschehen ist – noch ohne Erklärung oder Schuldzuweisung.

2. Worüber habe ich mich geärgert?

Der Ärger darf da sein. Du musst ihn nicht schönreden. Benenne, was dich belastet hat.

3. Wie hätte ich es stattdessen gerne?

Formuliere nicht nur, was aufhören soll. Beschreibe möglichst konkret, was du dir wünschst.

4. Wie möchte ich mich dabei fühlen?

Ruhig, sicher, verbunden, respektiert, frei, klar oder zuversichtlich?

5. Was kann ich morgen selbst dazu beitragen?

Wähle einen kleinen, machbaren Schritt. Ein Gespräch, eine Frage, eine klare Bitte, fünf Minuten Ruhe oder eine bewusste Entscheidung.

6. Wie sieht mein wunderschöner morgiger Tag aus?

Schließe für einen Moment die Augen und stelle dir den Tag vor. Nimm wahr, wie du ankommst, wie du atmest, wie du deinem Pferd begegnest und was zwischen euch entstehen darf.

Nicht als Garantie.

Sondern als Einladung und Ausrichtung.

Das Gute ebenfalls festhalten

Ein Pferdetagebuch muss keine Sammlung von Problemen werden.

Es darf ebenso aufbewahren, was gelungen ist:

den weichen Blick deines Pferdes,
eine schöne Begegnung,
einen mutigen kleinen Schritt,
ein klärendes Gespräch,
eine überraschende Veränderung,
einen Moment der Nähe
oder das Gefühl, heute genau richtig gehandelt zu haben.

Solche Momente gehen im Alltag leicht verloren. Wenn wir sie aufschreiben, werden sie wieder sichtbar.

Das regelmäßige Festhalten positiver Erfahrungen ist kein Allheilmittel. Untersuchungen zu Dankbarkeitsübungen zeigen jedoch kleine positive Effekte auf das Wohlbefinden; zugleich sind die Ergebnisse je nach Methode und untersuchtem Bereich unterschiedlich. Wir müssen daraus also keine Wunderwirkung machen, um das Gute bewusster wahrnehmen zu dürfen.

Wie hätte ich es denn gerne morgen?

Vielleicht ist dies eine der wichtigsten Fragen, die wir uns am Ende eines Tages stellen können.

Nicht:

Wie zwinge ich die Welt dazu, morgen meinen Vorstellungen zu entsprechen?

Sondern:

Was wünsche ich mir wirklich?
Wie möchte ich mich fühlen?
Was darf sich verändern?
Was kann ich selbst beitragen?
Was muss ich klar ansprechen?
Und was darf ich heute loslassen?

Wir müssen nicht sofort wissen, wie unser Wunsch Wirklichkeit wird.

Aber wir dürfen ihm einen Platz geben.

Wir dürfen ihn aufschreiben.
Wir dürfen ihn fühlen.
Wir dürfen unsere nächsten Schritte an ihm ausrichten.

Und dann lassen wir den neuen Tag antworten.

Genau deshalb findest du die Frage „Wie hätte ich es denn gerne morgen?“ in FeenTiers Pferde-Tagebuch „Zwischen Herzschlag & Hufschlag“.

Das Tagebuch begleitet dich und dein Pferd über 99 Tage beim Beobachten, Wahrnehmen und Erinnern – damit nicht nur Auffälligkeiten, sondern auch Entwicklung, Verbindung und die vielen kostbaren kleinen Augenblicke eures gemeinsamen Weges sichtbar bleiben.

FeenTiers Pferde-Tagebuch im FeenTier-Shop entdecken

FeenTiers Pferde-Tagebuch bei Amazon ansehen

Hinweis: Die im Beitrag vorgestellten Reflexionsfragen dienen der persönlichen Achtsamkeit und Selbstreflexion. Sie ersetzen keine medizinische, psychotherapeutische, tierärztliche oder rechtliche Beratung.

✨ Füttere uns & erhalte Botschaften ✨

Wenn dir meine Arbeit gefällt, kannst du uns auf unterschiedliche Weise unterstützen.

Alle speziellen Botschaften und Tageskarten sind individuelle Angebote, die du direkt auswählen kannst.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert