Denn zwischen
„Mein Pferd schwitzt im Winter“
und „Dann muss das Fell runter“
liegen noch ein paar Möglichkeiten.
Zum Beispiel:
eine gute Abschwitzdecke.
Mittlerweile gibt es hochfunktionelle Materialien, die Feuchtigkeit vom Körper wegtransportieren sollen. Es gibt Abschwitzdecken aus Fleece, Wolle oder unterschiedlichen Funktionsgeweben, teilweise kombiniert mit reflektierenden beziehungsweise metallhaltigen Materialien.
Oder ganz altmodisch:
Stroh.
Ja – Stroh.
Früher wurde ein verschwitztes Pferd trocken gerieben und bei Bedarf mit einer Lage Stroh unter der Decke „eingepackt“. Die Halme schufen Abstand zwischen nassem Fell und Decke, Luft konnte zirkulieren und Feuchtigkeit entweichen.
Nicht ganz so instagramtauglich.
Hat trotzdem funktioniert.
Auch ein Pferdesolarium kann eine Möglichkeit sein, das Abtrocknen zu unterstützen – vorausgesetzt, das Pferd kennt es, steht entspannt darunter und die Anwendung wird sinnvoll dosiert.
Und vielleicht braucht es manchmal vor allem:
Zeit.
Denn Training endet für mich nicht in dem Moment, in dem ich absteige.
Zur Arbeit gehört auch die Erholung. das „Cool down“
Eine Untersuchung an 25 Pferden zeigte, dass aktive Erholung nach intensiver Belastung gegenüber rein passivem Stehen Vorteile für verschiedene physiologische Erholungsparameter hatte. Besonders die ersten 15 bis 30 Minuten nach Belastung spielten dabei eine wichtige Rolle.
Vielleicht bedeutet das an manchen Tagen also einfach:
noch eine Viertelstunde Schritt.
Eine ruhige Runde um den Hof.
Absatteln. Atmen lassen. Abschwitzdecke drauf.
Gegebenenfalls wechseln, wenn sie feucht geworden ist.
Und erst danach entscheiden:
Ist mein Pferd tatsächlich so regelmäßig so nass und so schwer trocken zu bekommen, dass eine Schur ihm einen echten Vorteil bringen würde?
Oder fehlt uns manchmal schlicht die Zeit für das Cool-down?
Denn auch Nachschwitzen ist nicht automatisch ungewöhnlich.
Der Pferdekörper produziert während der Arbeit erhebliche Wärme. Selbst nach Ende der Belastung läuft die Wärmeabgabe weiter. Untersuchungen zeigen, dass Schwitzen abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit noch deutlich in die Erholungsphase hineinreichen kann.
Vielleicht ist deshalb die spannendere Frage nicht:
„Wie bekomme ich mein Pferd möglichst schnell trocken?“
Sondern:
„Was versucht sein Körper nach der Arbeit gerade noch zu regulieren?“ – das ist ein Thema für den nächsten Blog …
Foto von M.E.Foto

Schreibe einen Kommentar